Medienarchiv

In dieser Rubrik finden sich ausgewählte Zitate aus der medialen Berichterstattung.

Seit Ende April 2006 häufen sich die Beiträge rund um den prekären Berufseinstieg von AkademikerInnen in Österreich.

Das Thema wird langsam als kollektives Problem wahrgenommen, das weit über Einzelfälle hinausgeht. Auch die Plattform Generation Praktikum nimmt an der öffentlichen Diskussion teil. Bisher wurde die Plattform in unzähligen Artikeln erwähnt.

Ausschnitte der zahlreichen Artikel finden sich hier:

  • Die Furche behandelt die Generation „die netten Jahre sind vorbei“

furcheAnläßlich des Buches zweier Zeit-JournalistInnen „Die netten Jahre sind vorbei – Leben in der Dauerkrise“ portraitiert die Furche die Generation der 20 bis 35-Jährigen. Doch wie lässt sich diese Generation beschreiben? Welche Themen, Problemlagen beschäftigen diese Zielgruppe?

Geht es nach Cosima Schnitt und Manuel J. Hartung dann steht dieser Generation die Welt offen, das Lamentieren ist vorbei, die jungen Menschen seien krisenerfahren und bereit sich den neuen Herausforderungen zu stellen.
Ansatz des Buches sei das auch oft medial verstärkte Bild der in der Krise erstarrtes Generation zu entkräften und ein positives anpackendes Gegenbild zu zeichnen. Gerade diese Zielgruppe würde sich wieder stärker gesellschaftlich engagieren, wie etwa im Bereich von NGOs. Im Hinblick auf die Generationengerechtigkeit wird ein Appel zum aktiv werden gerichtet und darum gesellschaftliche Verteilungen zu diskutieren.

Der Furche-Artikel geht den Thesen des Buches nach, junge Erwerbstätige, Selbstständige werden zu ihrem „Leben mit der Dauerkrise“ befragt. Ebenso zu Wort kommt Anna Schopf von der Plattform, ihr fehlt die Bezugnahme auf große Problemlagen, sowie der Gesamtblick auf die Generationenkette.

Hier geht es zum Furche-Artikel.

  • TAZ-Beilage: Aufruf zum PraktikantInnen-Streik 09

taz

In Deutschland finden derzeit ein Reihe von Aktionen statt, die auf die Praktika-Situation aufmerksam machen wollen. Höhepunkt der Kampagne ist der 9. Oktober – da wird zu einem PraktikantInnen-Streik aufgerufen. Das Credo ist klar: wer arbeitet, der darf auch streiken.

Am Anfang waren es PraktikantInnen. Denn acht PraktikantInnen, die an der Praktikumsinitiative creativevillage teilnehmen, organisieren den Streik. Dieser richtet sich jedoch ausdrücklich nicht gegen ihre Praktika-Anbieter sondern, nutzt die im Rahmen von creativevillage zur Verfügung gestellte Plattform einer eigenen Beilage in der taz, um auf die allgemein vorhandene Problematik „System Praktikum“ aufmerksam zu machen.

streikbeilage

Die Streik-Beilage der taz zeigt die Situation der „Generation Praktikum“ – auf individueller, struktureller und europäischer Ebene.

Ebenfalls wird in der Beilage die Ko­mö­die „Résiste. Auf­stand der Prakikanten“ von Jonas Grosch vorgestellt. Der Film startet nächste Woche in Deutschland.

Der Text „Vom Säen und vom Ernten“ oder „Gute Reise kleine Mappe“ behandeln das Spannungsfeld zwischen Hoffnung, Glauben und (Selbst)Ausbeutung sehr treffend.

Die Beschäftigung mit der Situation in Schweden oder der Schweiz zeigt gesellschaftspolitische Lösungswege auf.

Weitere Informationen finden sich hier.

  • Am 10. Dezember 2008 diskutierten im ORF Club 2 zum Thema „Die modernen Arbeitssklaven“ unter der Leitung von Rudolf Nagiller

club2 Es diskutierten:

–  Journalist Günter Walraff
– Anna Schopf, Plattform Generation Praktikum
– Eva Scherz, Gewerkschaft der Privatangestellten
– Erich Pichorner, Geschäftsführer Manpower Austria
– Hubert Eichmann vom Forba-Institut
– Fritz Aichinger, Spartenobmann Handel, Spartenobmann Handel, Wirtschaftskammer Wien
Hier zum Nachlesen der Kommentar von Anna Schopf zum Club2:
„Erzählen Sie uns von Ihren Schützlingen!“

Von Praktika in der Nanotechnologie, die 2-3 Jahre dauern, Brötchenfabriken und Callcentern, schwarzen Schafen,  zerredeten Verharmlosungen und dem Desinteresse für fehlende soziale Absicherung.

Am 10. Dezember 2008 war ich als Expertin für die „Generation Praktikum“ im Club 2 mit dem Titel „die modernen Arbeitssklaven“ eingeladen. Die Themen, die sich im Sendekonzept wieder fanden, waren und sind inhaltlich schwer miteinander zu verknüpfen: schlechte Bedingungen im Handel, Minijobs, Teilzeit, Leiharbeit, Niedriglöhne und auch das Phänomen um die „Generation Praktikum“.

In der Sendung selbst konnten die Gäste diesen konzeptionellen Widerspruch nicht auflösen. Zudem kam die für das Format des „Club 2“ untypische verstärkte Aufmerksamkeit auf den prominenten Gast Günter Wallraff.
In einem Einzelinterview mit Wallraff Bezug nehmend auf die von ihm aktuell investigativ aufgedeckten Missstände in einem Callcenter und einer Brötchenfabrik in Deutschland, fing die Diskussion schleppend und positivierend a là „bei uns in Österreich ist alles nicht so schlimm“ an. Das mag durchaus der Fall sein, dass die Situation in Österreich weniger schlecht ist als in Deutschland, aber gut ist sie deshalb noch lange nicht.

3057715_370e5d105c_mJede/r fünfte/r Österreicher/in arbeitet Teilzeit
Der Vertreter der Wirtschaftskammer meinte sinngemäß am Beginn der Diskussion, dass Teilzeit überhaupt keine große Rolle spiele, weil nur 10% der Menschen davon überhaupt betroffen wären. Eine Auslegung, die näher betrachtet werden muss.
Tatsache ist, dass in Österreich die Zahl der Teilzeit-arbeitenden Menschen in den letzten Jahren erheblich gestiegen ist und im Jahr 2007 fast 779.200 Menschen betraf. 22% der arbeitenden Österreicher arbeiten in Teilzeit, 85% davon sind Frauen. Daher spielt Teilzeit eine wichtige Rolle, ebenso in der Größenordnung zu anderen atypischen Beschäftigungsverhältnissen.Schwarze Schafe – was nun?
Wenn Interessensvertretungen mit Missständen konfrontiert sind, ist reflexartig schnell von „schwarzen Schafen“ die Rede. Dieses Schwarz-Weiß-Denken verhindert tendenziell die Reflexion über strukturelle Mängel und ihre Aufarbeitung. 

Die Grenzen des Kollektivvertrags
Kurz drehte sich die Diskussion um Kollektivverträge, bedingt auch durch die Anwesenheit der beiden Sozialpartner, Gewerkschaft und Wirtschaftskammer. Dass genau diese Kollektivverträge für atypisch Beschäftigte nicht greifen wurde nicht erwähnt. Atypisch Beschäftigte, beispielsweise freie DienstnehmerInnen, sind daher größeren Unsicherheiten und einer schlechteren sozialen Absicherung ausgesetzt, und genau das war ja der thematische Ausgangspunkt dieser Sendung. PraktikantInnen werden zudem ebenfalls in vielen Kollektivverträgen ausgeschlossen.

Bildungskonzepte lösen Arbeitsmarktprobleme nicht alleine
Das „Praktika Phänomen“ wurde durch meine Beiträge in die Diskussion eingebracht. Es entstand allerdings keine nachhaltige Diskussion darüber. Einzig, dass die jungen Leute aufgrund ihrer Studienwahl dafür verantwortlich seien, wurde bemerkt. („Man wisse doch, worauf man sich einlasse.“).
Mit dieser Indifferenz der Themenlagen streifte die Diskussion oberflächlich und schlagwortähnlich die Bildungs- und Integrationspolitik. Die Frage von Wallraff, wie man in Österreich die aufgehetzte Situation denn jetzt nach dem Tod von Haider sähe, gibt Aufschluss darüber, was Thema oder eben nicht mehr Thema war.

Harmonie?
Der Moderator versuchte meiner Meinung nach zu spät die inhaltliche Dimension der Sendung wieder aufzugreifen. Rückblickend frage ich mich, ob die vielen nicht fokussierten Themen und Fragestellungen rund um „die modernen Arbeitssklaven“ von den eingeladenen Gästen überhaupt hätten beantwortet werden können.

Kontroversielle Meinungen machen die gegenseitige Bezugnahme erst möglich und schärfen zudem Positionen. Dies wiederum macht Probleme sichtbar und verändert den Diskurs. Diese „Club 2“ Diskussion hat einen Anfang dazu gemacht.

Strukturen der heutigen Arbeitswelt gehören diskutiert
Der alleinige Fokus auf die Qualifikationen der ArbeitnehmerInnen greift zu kurz. Die Strukturen der heutigen Arbeitswelt müssen umfassender diskutiert werden. Das Können und Wissen der ArbeitnehmerInnen ist dabei nur ein Baustein unter vielen. Die Klärung der Fragen um die Beschaffenheit von sozialer Absicherung, der Neuorientierungsverpflichtung älterer ArbeiternehmerInnen, die notwendigen Berufseinstiegskonzepte für junge Leute, sowie die sich entwickelnde Entkoppelung von Bildung, Ausbildung und Beschäftigung, das sind die Themen, die zentral für die Zukunft der Arbeitswelt sind.
Leider war das im „Club 2“ kein Thema.

  • PraktikantInnen als moderne Tagelöhner?
furche

Die Furche widmet in ihrem Thema der Woche, das sich um die Arbeit in Zeiten der Finanzkrise dreht, auch dem Praktika Thema einen Artikel.

Bezugnehmend auf eine im November stattfindende Podiumsdiskussion zum Thema „Studium und Praktikum“ der katholischen Hochschulgemeinde und der evangelischen Hochschulgemeinde, in der auch Ben Raho für die Plattform teilnahm, behandelt der Artikel bestehende Studienergebnisse und die Folgen von Praktika.

Die Modernisierung des Arbeitnehmerbegriffs, wie auch die aktuellen Änderungen für freie DienstnehmerInnen sind ebenso Thema.

Hier geht es zum Artikel.

  • JungakademikerInnen brauchen soziale Absicherung

Immer stärker dreht sich die Diskussion um JungakademikerInnen, die unbezahlte Arbeit leisten. Für manche ist diese Situation kaum vorstellbar und für manche bittere Arbeitsrealität. Eine neue Studie des Bundes Sozialdemokratischer Akademiker (BSA) hat die Ist-Situation von JungakademikerInnen befragt.

Maria Berger, Justizministerium und ebenfalls Präsidentin des BSA hat letzte Woche die Ergebnisse präsentiert.

presse
Ausgehend von den Ergebnissen wurde die Wichtigkeit von
– arbeitsrechtlichen Regelungen
– sozialer Absicherung
– sowie einer zeitlichen Begrenzung von Praktika gefordert.
Hier geht es zum Presse-Artikel und hier zum Standard-Artikel.
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  • „Moment – Leben heute“ auf Ö1 bringt einen Beitrag am 19. August

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Wie das „Leben heute“ von PraktikantInnen sich gestaltet und wie die Situation von BerufseinsteigerInnen aussieht, behandelte ein Beitrag der Sendung auf Ö1 am 19. August um 17:09 bis 17:25 Uhr.

Nach dem Ö1 Schwerpunkt „Dossier Arbeit“ Ende April/Anfang Mai diesen Jahres widmete sich Ö1 erneut dem Thema PraktikantInnen-Beschäftigung.

  • thegap hinterfragt die Bedeutung von Praktika

thegapthegap, das Magazin für Popkultur stellt die entscheidende Praktika Sinn-Frage: „Sinnevolle Sache oder doch eher kontraproduktiv, weil derart die Arbeitskraft unterverkauft wird?“

Der Artikel beleuchtet u.a. Fairness, Soldidarität, das Kennenlernen der ungeschriebenen Gesetze des Arbeitslebens und unter welchen Bedingungen auf Praktika am Besten verzichtet werden sollte.

Anna Schopf, Initiatorin der Plattform und Andreas Schmidt, Interessensgemeinschaft work@flex standen Rede und Antwort. Hier geht es zum Artikel.

  • Der Standard berichtet über Initiative der Grünen

Der_Standard_LogoN_e18a458e87Die Grünen brachten Ende Mai drei Entschließungsanträge zur Verbesserung der Praktika Situation ein. Dabei wird Bezug auf die Ergebnisse der Plattform-Studie als auch die Forderungen genommen. Der Standard berichtete darüber.

Der Missbrauch von (Pflicht-)Praktika soll nach den eingebrachten Entschließungsanträgen der Grünen Nationalratsabgeordneten Birgit Schatz durch Standards (wie max. Arbeitsdauer, Mindestvergütung und arbeitrechtlicher Schutz) verhindert werden.

Denn ein wie in der Praxis oft unklares Praktikumsverständnis begünstige Scheinpraktika und den arbeitsrechlichen Graubereich. Durch ein eigenens PraktikantInnenausbildungsgesetz könnte dem gesetzlich entgegen gewirkt werden.

Hier geht es zum Standard-Artikel. Nebenbei ist ein Mustervertrag der Arbeiterkammer zum Download verfügbar.

  • Petition im Rufzeichen!

Der_Standard_LogoN_e18a458e87Die Standard-Beilage !!!!!Rufzeichen behandelt die Petition für faire Praktika

Der Artikel „Arbeiten im Graubereich“ stellt die Anliegen der Plattform kurz vor, präsentiert die Aktivitäten des Netzwerks Generation P und zeigt wie notwendig die Forderungen der Petition für faire Praktika sind.

Hier geht es zum Artikel.

  • Das Wirtschaftsblatt behandelt unbezahlte Praktika

wirtschaftsblattWas unterscheidet ein unbezahltes Praktikum von freiwilliger Arbeit?

Die Antwort ist einfach: Ehrenamtliche Arbeit basiert auf freiwilligen Engagement, dient oft einem sozialen Zweck, Arbeit im Rahmen eines Praktikums geschieht hingegen im Rahmen eines Beschäftigungsverhältnis. Beide Formen sind unterschiedlich organisiert, das eine ist ein „Ehrenamt“ das andere ist Arbeit.

Wenn jedoch beiden Formen als unbezahlte Tätigkeiten angeboten werden, wo liegt dann der Unterschied?

Hier geht es zum Wirtschaftsblatt-Artikel.

Nähere Informationen zum Thema Freiwilligenarbeit in Österreich gibt es hier.

  • Das Wirtschaftsblatt legt den Fokus auf unbezahlte AbsolventInnen-Praktika

wirtschaftsblattIn den Karriere Kompakt Seiten macht das Wirtschaftsblatt auf das Phänomen „Generation Praktikum“ aufmerksam.

Der Artikel beleuchtet unbezahlte Praktika im Bereich der AbsolventInnen-Praktika. Zwei AbsolventInnen und ihre Erfahrungen beim Berufseinstieg werden vorgestellt. Es zeigt sich, dass unabhängig des Studienfachs, es heute immer schwieriger wird nach Studienende eine Anstellung zu finden.

Weiters werden die Forderungen der Plattform und die derzeit laufende internationale Petion für faire Praktika behandelt.

Der Artikel ist hier zu sehen.

  • Das war der derStandard.at/T@lk

standard.atEine vielseitige Diskussion über das Verständnis, was Praktika überhaupt sind, welche Funktion sie haben (sollen) und welche Probleme die derzeitige Situation mit sich bringt.

Der Standard.at lud zur Podiumsdiskussion und fragte nach den Chancen und Risken von Praktika.

Folgende Aspekte wurden bei der Diskussion deutlich:

  • Die Podiumsgäste hatten ein sehr heterogenes Bild von Praktika (es reichte von Ferialpraktikum über StudentInnen-Praktika, Pflichtpraktika und AbsolventInnenpraktika).
  • Unbezahlte Praktika wurden von allen als Missstand verstanden.
  • Michael Kaiser vom TU-Career Center möchte nur hochqualitative Praktika mit seiner Jobbörse vermitteln, im technischen Bereich sei die Lage nicht mit geistes- und sozialwissenschaftlichen vergleichbar.
  • Anita Zielina vom Standard erzählt, dass der Standard 2008 ebenso eine Online-Praktika-Börse im Rahmen der Karriere-Seiten plant.
  • Das arbeitsrechltiche Wissen sei bei der Gruppe der PraktikantInnen nicht ausreichend um adäquat verhandeln zu können. Die Politik ist gefordert das Thema stärker zu behandeln und Lösungen zu finden. Josef Broukal von der SPÖ meint, dass sei nur mit allgemeinen Regelungen machbar. Die Arbeit für einzelnen kollektivvertraglichen Änderungen würde zu lange dauern.
  • Die Zielgruppe für Praktika seien nur Studierende die freiwillig ein Praktikum und/oder ein Pflichtpraktikum absolvieren. Anna Schopf von der Plattform Generation fordert: „Uniabsolventen haben nichts in einem Praktikum verloren“.
  • Lisa Schindler von der ÖH bestätigt, dass Eltern und Nebenjobs die fehlendenden Praktika-Entlohnung kompensieren.
  • Gertude Brinek von der ÖVP bezieht sich auf die ungleiche Geschlechterverteilung der PraktikantInnen: Junge Frauen planen ihrer berufliche Laufbahn weniger strategisch als dies Männer tun und seien eher dazu bereit unter ihrem Wert zu arbeiten.

Hier geht es zum Standard.at Artikel.

  • Initiative zur einer europäischen Qualitätscharta

Der_Standard_LogoN_e18a458e87EU will Charta gegen PraktikantInnen-Ausbeutung

EU-Kommission: Firmen tarnen schlecht bezahlte Arbeitsplätze als Praktika – Arbeitskommissar Spidla: „Skandalös“

Brüssel – Die EU-Kommission fordert mehr Engagement im Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit. „Trotz der Bemühungen einzelner Staaten wurden keine wirklichen Fortschritte erzielt“, beklagte EU- Arbeitskommissar Spidla am Montag. Besonders kritisierte er die „Ausbeutung“ durch schlecht oder gar nicht bezahlte Praktikumsplätze. 2008 will er eine „europäische Qualitätscharta“ für Praktika vorschlagen.

Viele Firmen würden schlecht bezahlte Arbeitsplätze als „Praktika“ tarnen und damit „Sozialdumping“ betreiben, kritisierte Spidla bei einer Pressekonferenz mit Bildungskommissar Jan Figel in Brüssel. Auf mögliche Inhalte der „Qualitätscharta“ – etwa Mindestlöhne oder eine maximale Dauer – wollte er nicht eingehen. Das Ziel sei jedenfalls, dass vollwertige Jobs nicht durch Praktika ersetzt würden, betonte Spidla. Als „skandalös“ bezeichnete er unbezahlte Praktikumsplätze.

Zu viele Schulabbrecher
Figel beklagte den hohen Anteil von Schulabbrechern. Demnach beenden 15 Prozent der europäischen Jugendlichen ihre Ausbildung vorzeitig, ohne entsprechenden Abschluss. Die EU-Kommission forderte die Mitgliedsländer daher auf, bei der Ausbildung der Jugendlichen mehr auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes zu achten, Freiwilligenarbeit zu fördern sowie die Chancengleichheit im Bildungssystem im Auge zu behalten.

Die Kommission selbst will den Sprung junger Arbeitskräfte ins Ausland fördern und künftig alle drei Jahre einen Jugendbericht veröffentlichen. Eine Gesetzgebungskompetenz hat die EU im Bereich der Jugendbeschäftigung und -ausbildung nicht, wie Spidla bedauerte. (APA)
derStandard.at, 7. September 2007

  • Medienecho zur Studie „Arbeit ohne Wert“

falter

Der Falter brachte anläßlich der Plattform Studie „Arbeit ohne Wert“ eine Reportage über die PraktikantInnen-Situation, auch der Standard befasste sich mit den Ergebnissen

Falter Nr. 28/07Billig, willig, Praktikant
Dumping Sie arbeiten hart und verdienen nichts. Eine neue Studie zeigt, wie Akademiker als Praktikanten ausgebeutet werden – und sich darüber nicht mehr beklagen. Experten warnen vor der Demontage des Arbeitsrechts.
Was er so macht? Darauf antwortet Paul S. mit einem gequälten Lächeln und meint, er sei „Filmschaffender“. Dann versucht er, das Thema zu wechseln. Denn wer will schon von sich erzählen, dass er als 28-Jähriger mit abgeschlossenem Publizistikstudium am Set den Kaffee holt? Paul S. jedenfalls nicht. Er hat so viele Praktika absolviert, dass er sich gar nicht an alle erinnern kann. „So zehn, 15 werden es sein.“ In seinem Lebenslauf stehen allein sieben aus der Filmbranche. Zwischendurch jobbte Paul S. auch in besseren Positionen, etwa als Regieassistent. Seinen Fuß bekam er aber nie in die Tür. Stattdessen hörte er: „Wir haben schon jemanden. Wie wäre es mit einem Praktikum?“ Beim vorletzten Mal bekam der 28-Jährige 300 Euro im Monat, vom letzten Praktikum hat er das Geld noch nicht gesehen. Klar fühlt er sich ausgebeutet – schlimmer, er fühlt sich wertlos. Er sagt: „Ich gehöre der Generation Praktikum an.“
Diesen Begriff prägte die Hamburger Wochenzeitung Die Zeit. Als Deutschland 2005 kollektiv Trübsal blies, weil weder Geld, Arbeitsplätze noch Zukunft in Sicht waren, rief ein Artikel die „Generation Praktikum“ aus. Gemeint war damit jene Horde junger Menschen, die trotz voller Lebensläufe und Hochschulabschluss keinen Job finden, sondern von einem Praktikum zum nächsten ziehen. Hierzulande ging es Anna Schopf so ähnlich. Nach ihrem Soziologiestudium tingelte sie vom Museum zur Kulturplattform, von der Kulturplattform zum Forschungsinstitut – hier machte sie ein Praktikum, dort ein Volontariat, beim dritten zahlte das AMS ein Arbeitstraining. Am Ende wollte sie auswandern. „Dann habe ich aber über meinen Tellerrand geschaut und gemerkt, dass es vielen ähnlich geht.“ Sie legte sich die Website http://www.generation-praktikum.at zu und gründete die gleichnamige Plattform. Von Woche zu Woche schauten mehr Internetuser vorbei – Schopf startete eine Onlineumfrage. Über 400 Leute nahmen daran teil. Auch wenn die Studie nicht repräsentativ ist, ist sie die erste großangelegte Erhebung über die heimischen Praktikanten. Gemeinsam mit Co-Autor Paul Ringler veröffentlicht Schopf ihre Ergebnisse nun im Falter. Das Resümee der beiden Soziologen: Praktika sind nicht immer ein Übel. „Die Gefahr der Praktika ist, dass sich manche zu viel davon erwarten und dass das Praktikum den Ausbildungskontext verlässt“, meint Schopf. Vor allem jene Praktika, die nicht mehr dazu dienen, jemandem etwas beizubringen, sondern ihn auszubeuten, sind problematisch. „Das klassische Schnupperpraktikum gibt es kaum noch. Zwei Drittel meinen, sie leisten das Gleiche wie ihre Kollegen.“ Statt sich eine Urlaubsvertretung zu leisten, setzen Unternehmen oft Praktikanten an den Tisch. Und statt für Projekte vollwertige Arbeitskräfte zu engagieren, lagern viele Organisationen die Verantwortung auf billige Studenten und Absolventen aus. Gerade Letztere fühlen sich dabei häufig ausgenützt.
Auch Andrea Rauscher kann Praktika nach dem Studium nichts abgewinnen. Die Publizistikabsolventin bewarb sich bei einem größeren Medienunternehmen, bei dem sie schon als Studentin ein Praktikum absolviert hatte. Doch ihr wurde abermals nur eine Schnupperstelle angeboten. „Es hieß, ohne Praktikum bekommt man keinen Job“, erzählt sie. Für 500 Euro im Monat schlüpfte die 27-Jährige wieder in die Rolle der Praktikantin. Danach hieß es, sie solle ein weiteres Praktikum in einer anderen Redaktion machen. Rauscher folgte. „Gelernt habe ich nichts mehr.“ Nach mehreren Monaten im Unternehmen war sie ihrer Anstellung keinen Schritt näher. Sie beschloss, sich nicht weiter als Hilfskraft hinhalten zu lassen, sondern wieder Bewerbungen abzuschicken.
Vielen geht es ähnlich wie Rauscher: Zwei von drei Absolventen, die ein Praktikum machten, fühlen sich ausgebeutet. Mit der Hoffnung, übernommen zu werden, gehen sie voller Elan in ihre neue Aufgabe. Doch in neun von zehn Fällen ist es nur geborgte Zeit, die sie mit dem Unternehmen verbindet. Manchen ist das temporäre Billigjobben aber noch lieber als die Arbeitslosigkeit. „Für das Selbstbewusstsein ist es besser, wenn man wenigstens ein Praktikum hat“, meint der Politikwissenschaftler Georg Pilz. Er hat zuletzt ein Arbeitstraining am Institut für Konfliktforschung absolviert – dort war er ein Gratismitarbeiter, das AMS zahlte ihm 600 Euro im Monat. Eine Anstellung ergab sich für den 26-Jährigen nicht. Er greift jetzt nach einem neuen Strohhalm: Ein halbes Jahr wird er als Praktikant bei einem EU-Parlamentarier arbeiten. Pilz kann sich das gerade noch leisten, weil er zusätzlich zu dem niedrigen Verdienst ein Stipendium der Bruno-Kreisky-Stiftung bekommt. „Es ist ein Nullsummenspiel.“ Nach Brüssel wird kein Geld übrig bleiben. Der Politikwissenschaftler will sich gar keine großen Hoffnungen machen. „Dass sich daraus eine Anstellung ergibt, glaube ich nicht.“ Kurz nach ihm kommt schon der nächste Praktikant.
Viele Unternehmen besetzen stets einen Posten mit Praktikanten, manche verstehen die Auszubildenden als normale Arbeitskraft. „Ich habe in meinem Unternehmen alleine einen Prototypen entwickelt. Das wäre ein normaler Job gewesen“, regt sich der Mobile-Computing-Student Arnold Ahrer auf. Weil sein FH-Studium ein Praktikum vorschreibt, willigte er ein, für 480 Euro im Monat zu jobben. Immer mehr jungen Menschen geht es wie ihm: Zunehmend führen auch Unis die verpflichtende Berufserfahrung ein. Wer sich aus der Masse der Mitstreiter hervorheben möchte, wirft sich umso mehr ins Zeug. Jeder sechste Praktikant macht Überstunden. Besonders Frauen beuten sich selbst aus. Sie machen im Schnitt mehr Praktika und arbeiten öfters unbezahlt. Nicht nur, weil sie häufig die überlaufenen Geistes- und Sozialwissenschaften studieren. Selbst in technischen Fächern gibt es einen Graben zwischen den Geschlechtern. Während nur jeder vierte Informatikstudent ein freiwilliges Praktikum macht, sind es bei den Kolleginnen mehr als die Hälfte. Das brachte eine Studie der Forschungsinstitute Sora und abif hervor. Sora-Forscherin Isabella Kaupa hat dafür folgende Erklärung: „Offensichtlich reicht es bei Männern, dass sie studiert haben. Frauen müssen es auch noch beweisen.“
Insgesamt haben Praktika aber einen guten Ruf. Zwar fühlt sich ein Drittel aller Befragten ausgebeutet, doch neunzig Prozent würden alle oder einige der absolvierten Praktika wiederholen. Wer jung ist und wie die meisten Praktikanten von den Eltern unterstützt wird, kann sich auch eine Zeit lang ausbeuten lassen. Das ist der Deal, den viele Studenten abschließen: Sie arbeiten zu einem Billiglohn, aber sie bekommen dafür einen immateriellen Wert – Erfahrung, Kontakte, eine Zeile mehr im Lebenslauf. Matthias Eder meint kühl: „Das ist ein Trade-off. Damit man später einen guten Job bekommt, arbeitet man ein halbes Jahr gratis.“ Der 25-Jährige hat ein Politikwissenschaftsstudium abgeschlossen, nun studiert er an der Diplomatischen Akademie und absolviert eines der unbezahlten Praktika bei der Uno.
Nur zehn Prozent der Praktikanten bekommen auch die oft ersehnte Anstellung. Walter Hassler ist einer von ihnen. Kurz bevor er sein Studium der Internationalen Betriebswirtschaft abschloss, ging er beim Wirtschaftsprüfer Deloitte schnuppern. „Ich war für drei Monate dort. Am Ende hat mein Chef gemeint, er würde mich fix übernehmen.“ Sein Praktikum erfüllte statistisch gesehen alle Kriterien, die das Karrieremachen fördern. „Wer angestellt wird, über 700 Euro verdient, gut integriert ist und gleichwertige Arbeit verrichtet, wird tendenziell eher übernommen“, sagt Studienautorin Schopf. Einziger Haken: In vielen Branchen gibt es solche luxuriösen Konditionen kaum. Im Bereich Forschung, Kunst, Medien und Soziales sind Praktika sehr oft nicht bezahlt. Trotzdem werden diese Sparten überrannt. Die Hilfsorganisation Care zahlt zum Beispiel eine kleine Aufwandsentschädigung, aber das auch nur für die Langzeitpraktikanten. Trotzdem hat sie 200 Bewerber im Jahr. Ein Drittel aller Studienteilnehmer arbeiteten auch gratis. Die Studienautorin ist skeptisch, ob sich diese Arbeiter für die gute Sache damit selbst etwas Gutes tun: „,Finger weg von unbezahlter Arbeit!‘ Das kommt einem schon in den Sinn, wenn man sich die Daten ansieht.“Da die Praktikanten selbst viele ausbeuterische Situationen annehmen, fordert die Generation Praktikum rechtliche Mindeststandards. „In jedem Kollektivvertrag soll drinnenstehen, dass die Praktikanten nur zu Ausbildungszwecken eingesetzt werden dürfen und dass es eine soziale Absicherung geben muss“, meint Schopf. Das Praktikum soll nur eine Ergänzung zum Studium sei. „Praktika für Absolventen gehören abgeschafft“, meint sie. Stattdessen schlägt sie abgesicherte Einstiegsjobs für Jungakademiker vor. Die Soziologin selbst ist heute aus dem Schneider. Sie hat einen richtigen Job beim Forschungsinstitut des Wiener Roten Kreuzes und gehört nicht mehr zur Generation Praktikum. Gibt es die überhaupt?
In Deutschland widersprach die erste repräsentative Studie des Hochschul-Informations-Systems (HIS) den hysterischen Medienberichten. Demnach absolvierte nur jeder achte FH- und jeder siebte Uniabsolvent nach dem Studium ein Praktikum. Auch laut der Zeit sind Praktika heute „mehr Chance als Schicksal“. Anna Schopf ärgert solch mediales Mäandern. „Entweder man negiert das Problem komplett, oder man redet von einer ganzen Generation.“ Sie weist darauf hin, dass selbst laut HIS-Studie jeder vierte Sprach- und Kulturwissenschaftler die Karriere als Praktikant startet. In ihren Augen werden viele Praktikanten nicht fair behandelt – und ein Drittel der Befragten stimmen ihr zu. Von einer ganzen Generation, die in einer Endlosschleife in Praktika gefangen ist, kann in Österreich keine Rede sein. Wenn auch immer mehr Absolventen nach ihrer Ausbildung ein Praktikum machen. „Das ist ein neuer Arbeitsmarkt, der sich gefährlich öffnet“, meint Arbeiterkammer-Experte Josef Leitner. Hinter dem Phänomen steht ein weit größeres Problem: die steigende Akademikerarbeitslosigkeit und die Selbstausbeutung in umkämpften Branchen wie der Kreativwirtschaft. Für die Betroffenen ist das hart. „Wir sind moderne Sklaven“, meint Paul S. Aber das stimmt so nicht ganz. Denn niemand zwingt Paul S., immer und immer wieder als Praktikant anzuheuern. Der 28-Jährige hat jetzt einen Schlussstrich gezogen. Statt Kaffee zu holen, arbeitet er nun auf Werkvertragsbasis als Lektor. Das ist auch kein Leben, aber es ist mehr als ein Praktikum.
Falter, Ingrid Brodnig, Nr. 28/2007, 11.07.2007
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DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.7.2007
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Jeder dritte Praktikant arbeitet ohne Bezahlung
Zwei Drittel glauben laut einer Online-Umfrage jedoch, dass sie gleiche Arbeit leisten wie regulär angestellte KollegenWien – Jeder dritte Praktikant bekommt für seine Tätigkeit nichts bezahlt. Dies geht aus einer Online-Umfrage des Vereins „Generation Praktikum“ hervor. Ausgewertet wurden 288 Fragebögen, ausgefüllt von Studentinnen und Studenten der verschiedensten Fachrichtungen, die sich auf der Homepage des Vereins eingefunden hatten (die Stichprobe ist daher nicht repräsentativ für alle Studenten in Österreich).
Vierzig Prozent der Teilnehmer an der Umfrage gaben dabei an, dass ihr Praktikum mit zwischen 100 und 700 Euro pro Monat abgegolten wurde, ein Viertel verdiente mehr als 700 Euro.

Graubereich
Aus der Umfrage geht weiters hervor, dass zwei Drittel der Auskunftspersonen der Ansicht sind, dass ihre Tätigkeiten als Praktikanten gleichwertig waren mit jenen der Kollegen, die einen regulären Arbeitsvertrag haben. Laut den Studienautoren, den Soziologen Anna Schopf und Paul Ringler, habe ein knappes Drittel der Befragten sogar angegeben, sie fühlten sich „ausgenützt“, der Ausbildungsstatus hätte eine nur untergeordnete Rolle gespielt. Ein Zusammenhang zwischen dem Entgelt und dem Gefühl des Ausgenütztwerdens sei festzustellen gewesen. Darüber hinaus sei ein Drittel der Praktikanten nicht darüber aufgeklärt worden, in welchem Beschäftigungsverhältnis (Anstellung, freier Dienstnehmer, Werksvertrag etc.) man gestanden ist – die Autoren sprechen von einem „arbeitsrechtlichen Graubereich“.
81 Prozent jener Befragten, die ohne Entgelt arbeiten mussten, wurden von den Eltern weiter finanziell unterstützt. 53 Prozent erhielten Beihilfen, 50 Prozent griffen auf Erspartes zurück. Ein Viertel hatte einen weiteren Job. Frauen müssen laut Umfrage öfters unbezahlte Praktika annehmen als Männer (36 zu 23 Prozent). Im Durchschnitt dauert ein Praktikum zwei bis drei Monate. In den meisten Fällen musste 31 bis 40 Stunden pro Woche gearbeitet werden, jeder Siebente leistete Überstunden.

Erfahrung und Interesse als Motivation
40 Prozent der Befragten mussten ein Pflichtpraktikum (etwa im Zuge eine Fachhochschulausbildung) machen, Hauptmotivation waren aber eindeutig Praxiserfahrung und Interesse.
Das gesamte Umfrageergebnis kann ab sofort über die unten angeführte Webadresse der Studienautoren bezogen werden.

  • Falter widmet sich der PraktikantInnen- Beschäftigung

falterAuszug aus der APA-Meldung des Falters:

Statt eines richtigen Jobs werden viele Jungakademiker in ein Praktikum gedrängt, oft mit der vagen Aussicht auf eine Anstellung. Eine Erwartung, die sich für die meisten nicht erfüllt. „Nur einer von zehn Praktikanten wird angestellt“, so Studienautorin Anna Schopf. An ihrer „nicht repräsentativen“ Studie nahmen 400 Personen teil, darunter Studenten und Akademiker. Laut eigenen Angaben ist es die erste groß angelegte österreichische Befragung zur „Generation Praktikum“.

Von einer ganzen Generation, die nach dem Studium ein Praktikum nach dem anderen macht, könne in Österreich noch keine Rede sein. Doch die Tendenzen seien klar: „Das klassische Schnupperpraktikum gibt es kaum noch. Zwei Drittel meinen, sie leisten das Gleiche wie ihre Kollegen“, so Schopf zum „Falter“. Ihr Verein, die Plattform „Generation Praktikum“, fordert die Abschaffung der Absolventenpraktika und einheitliche kollektivvertragliche Regelung für alle Praktikanten.

  • Gastkommentar im Medianet

Medianet LogoAus Mangel an Beweisen?

Ein neuer Kurzbericht (die Studie selbst erscheint erst im Sommer 2007) des HIS Hochschul-Informations-Systems erhält derzeit mediale Aufmerksamkeit. Es handelt sich um eine Auftragsforschung des Bundesministerium für Bildung und Forschung und stellt eine repräsentative Stichprobe aller deutschen HochschulabsolventInnen (ohne Bachelor-Abschlüsse) dar.

Die Plattform Generation Praktikum hat in Österreich im Jahr 2006 eine nicht-repräsentative Erhebung durchgeführt und kommt dennoch in vielen Aspekten zu ähnlichen Ergebnissen. Es folgt eine Gegenüberstellung:

Auch AbsolventInnen sind PraktikantInnen
Der deutsche HIS-Bericht stellt fest, dass durchschnittlich jede/r siebente Uni-AbsolventIn ein oder mehrere Praktika nach Abschluss absolviert, bei den PsychologInnen ist es jede/r Fünfte/r, bei den Sprach- und KulturwissenschaftlerInnen sogar jede/r Vierte/r.
Die österreichische Plattform-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass jede/r zweite AbsolventIn ein oder mehrere Praktika absolviert. Diese Gruppe ist auch jene, die sich am stärksten ausgenützt vorkommt.
Diese Zahlen vermitteln, dass Praktika schon lange keine Ausbildungsverhältnisse mehr darstellen, wenn junge fertig ausgebildete Menschen diese als Beschäftigung meist aus Mangel an Alternativen annehmen. Ein schlecht bis gar nicht abgesichertes Arbeitsverhältnis trifft diesen Umstand schon eher.

„Generation Praktikum“ ist tendenziell weiblich
Nach dem HIS-Bericht ist fast ein Drittel der Wirtschafts-, Sprach- und Kulturwissenschaftlerinnen betroffen. Männer aus diesen Fachrichtungen machen deutlich weniger Praktika. Aus unserer Studie geht ebenso hervor, dass Frauen mehr Praktika machen, und dies auch häufiger unbezahlt.

Wertlose Arbeit
Nach dem HIS-Bericht wurde ein Drittel der Uni-AbsolventInnen-Praktika nicht vergütet. Die Plattform-Studie kommt ebenfalls zu diesem Schluss, speziell im Sozial- und Gesundheitswesen und im Medienbereich findet unbezahlte Arbeit statt.

Praktika-Schleife nein? Phänomen ja!
Auch wenn es die sogenannte „Praktika-Schleife“ nach dem HIS-Bericht nicht geben soll: Praktika sind aus dem Arbeitsalltag vieler Branchen, speziell im Medien-, Werbung und Marketingbereich nicht wegzudenken und Bestandteil kühler Kalkulation. Traurig sieht es auch bei der arbeitsrechtlichen Stellung von PraktikantInnen aus: genau in diesen Praktika-Branchen fehlen großteils kollektivvertragliche Regelungen. Verdachtsmomente für Prekarität gibt es also genug.

Anna Schopf, Initiatorin der Plattform Generation Praktikum (www.generation-praktikum.at)
medianet, Donnerstag, 24. Mai 2007

  • Medienecho im Frühling 2007

standard.atIm April fand zwar kein PraktikantInnen-Aktiontag statt, stattdessen brachten die Grünen in Wien eine Presseaussendeung heraus. Und der Online-Standard brachte einen Beitrag.

„Jeder dritte Praktikant arbeitet unbezahlt, zwei Drittel Vollzeit. Wichtig ist es daher, Chancen von Risiken zu unterscheiden“, empfiehlt generation-praktikum.at. Die Internet-Plattform liefert mit einer Umfrage unter 400 Studierenden und AkademikerInnen erstmals Daten und Fakten zur Situation in Österreich. (..)
So geht aus der Umfrage hervor, dass heute Studierende schon mehr Praktika absolviert haben als JungakademikerInnen. In diesem Zusammenhang zeigen sich auch geschlechterspezifische Unterschiede: „Frauen sind häufiger Praktikantinnen, und weisen auch eine höhere Anzahl an Praktika auf“, sagt Julia Uhlik von generation-praktikum.at.
derStandard.at, 10.05.2007

„Immer mehr junge und gut ausgebildete Menschen sehen sich genötigt, prekäre Beschäftigungsverhältnisse einzugehen, um der Arbeitslosigkeit zu entgehen“, sagt Stadträtin Monika Vana von den Grünen Wien anlässlich des europäischen PraktikantInnen-Tages am 1. April. Vana fordert den Erlass eines PflichtpraktikantInnengesetzes: Durch Mindestlohn, Vollversicherung und Arbeiterkammerzugehörigkeit sollen PraktikantInnen sozial abgesichert und Ausbildungsstandards festgeschrieben werden.
Vana: „Viele Praktikas haben mit dem Hineinschnuppern in die Berufswelt nichts mehr zu tun. Statt dessen umgehen Unternehmen damit richtige Anstellungen.“ Für Vana besteht daher Handlungsbedarf für bessere arbeits- und sozialrechtliche Standards für Praktikums-Arbeitsplätze. „Es braucht schärfere Definitionen, um die stattfindenden Umgehungen zu verhindern und PraktikantInnen nicht mittels falschen Versprechungen als sehr billige Arbeitskräfte zu missbrauchen.“
Presseaussendung Die Grünen, Wien, 30.03.2007

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