„Zu wenig, um zu leben! Zu viel, um zu sterben!“ Wie Unternehmen mit Hilfe des AMS falsche Tatsachen vorspiegeln. Ein Erfahrungsbericht.

Ich begann ein Praktikum bei einer Art online-Medium, welches letzten Endes ganze drei Monate dauern sollte. Nach dem anfänglichen Eindruck, dass ich mit unnötigen Tätigkeiten beschäftigt werden sollte (z.B. Artikel immer wieder, tagelang, umschreiben, weil „das holpert noch, weißt!?“), fand ich doch Gefallen an den mir gestellten journalistischen Aufgaben in der Redaktion. Als momentan neue Texte benötigt wurden, war ich plötzlich fähig Artikel regelrecht aus dem Ärmel zu schütteln und die Redaktionsleitung war über meine Arbeit „überaus zufrieden und begeistert“. In den folgenden Wochen machte mir die Redaktionsleitung immer wieder Hoffnung auf eine feste Anstellung. Auf mehrmalige Nachfrage wurde mir auch versichert, dass die Tatsache meiner Inskription an der Universität Wien dieser Anstellung nicht im Weg stehen würde. Ich sollte mich jedoch „weiterhin fleißig zeigen und bemühen“ damit man eine Anstellung – wenn es dann soweit ist – dem Chef gegenüber „rechtfertigen kann“.

Die letzten beiden Wochen meines redaktionellen Praktikums waren geprägt von Ausweichmanövern der Redaktionsleitung, die mir – als sich doch die Gelegenheit bot, sie zur Rede zu stellen – fahrig vor den Latz knallte, ich hätte mir eben „selbst etwas überlegen müssen“ und man einfach „wissen muss, worauf man sich einlässt. C’est la vie!“

Eingelassen hatte ich mich laut Inserat auf ein „Praktikum mit leistungsgerechter Bezahlung mit Möglichkeit auf Festanstellung“. Bei der „leistungsgerechten Bezahlung“ handelte es sich um €200.-/Monat à 26Std./Woche; das macht den satten Stundenlohn von ca. € 1,9.- aus. Ein Auszug der WGKK bestätigte meine Vermutung, dass ich von dem Unternehmen im Zuge des Praktikums nie angemeldet worden war und es sich bei diesem sog. „Praktikum“ um nichts anderes als Schwarzarbeit gehandelt hat. Angestellt wurde ich aus folgenden Grund nicht: alle Stellen des Unternehmens werden von einer sog. „Arbeitsstiftung“ des AMS finanziert, worauf all jene Menschen keinen Anspruch haben, die an einer österreichischen Hochschule inskribiert sind. Die in Aussicht gestellte Anstellung erhielt ich folglich nicht, weil ich mich weigerte, mein damals eben erst aufgenommenes Doktoratsstudium „zwei Jahre auf Eis zu legen“.

G., 25 Jahre, Maga. phil. (abgeschlossenes Studium: Publizistik- und Kommunikationswissenschaft)

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