„Sie sind leider überqualifiziert!“ Ausgebildete Frauen erzeugen Widerstand

Ich (29 Jahre, weiblich und aus Wien) habe das so genannte „Orchideenstudium“ Publizistik mit einer Fächerkombination aus Politikwissenschaft, Psychologie und Theaterwissenschaft mit dem akademischen Grad „Magistra der Philosophie“ absolviert. Während meines Studiums arbeitete ich immer ohne Anstellung als geringfügig Beschäftigte in der Medienbranche, um die berühmte Berufserfahrung vorweisen zu können. Freie Tage und Urlaube musste ich Monate voraus mit den KollegInnen koordinieren, obwohl ich arbeitsrechtlich gesehen dazu nicht verpflichtet gewesen wäre. In der Realität ist es so gewesen, dass ich ins Unternehmen eingegliedert wurde und sogar im Krankheitsfall selbst für Ersatz sorgen musste – Soviel zur Theorie und Realität von atypischen Beschäftigten.

Nach meinem Studium entschloss ich mich, eine Zusatzausbildung zu machen und erhoffte mir dadurch die lang ersehnte Anstellung. Es ist nicht so gewesen, dass es keine Jobausschreibungen gab. Die meisten Unternehmen fanden meine Bewerbung sehr interessant und es kam sogar zu einigen Vorstellungsgesprächen. Aber im Endeffekt haben sie sich meistens für weniger qualifiziertere KandidatInnen entschieden, da diese geringere Ansprüche stellten bzw. geringere Gehaltsvorstellungen hatten. Ich hörte sehr oft das Argument: „Sie sind leider überqualifiziert“. Meine Überlegungen an einen fixen Job zu kommen gingen sogar so weit, dass ich ernsthaft überlegte, meine Qualifikationen und Ausbildungen aus meinem Lebenslauf zu streichen. Aber ich habe immerhin einen Studienabschluss und eine zehnjährige Berufserfahrung vorzuweisen. So ganz nebenbei sollte ich auch an meine finanzielle Absicherung denken. Außerdem möchte ich am Arbeitsmarkt ernst genommen werden! Es ist für mich ganz einfach ein Ding der Unmöglichkeit an ein unbefristetes Dienstverhältnis mit Anstellung zu kommen. Ich habe auch bereits den Anspruch zurückgelegt, eine Arbeit anzunehmen die auch meiner Qualifikation entspricht.

Um während dieser arbeitslosen Zeit am Ball zu bleiben, habe ich ein weiteres Studium (naturwissenschaftlich-technisch) begonnen. Es wurden mir die besten Chancen am Arbeitsmarkt versprochen. Die Realität sieht auch hier leider anders aus. An der Universität nahm ich einen befristeten freien Dienstvertrag an, um dort wenigstens einen Fuß in der Türe zu haben. Meine bisherige Qualifikation war endlich gefragt. Doch leider wurde ich nur verbal umschmeichelt und das Honorar fiel trotzdem sehr gering aus. Somit schließt sich der Kreis und ich befinde mich nach wie vor auf der Suche nach einer Anstellung. (Stand: Mai 2007)
Tanja, 29 Jahre, Publizistin und Studentin

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