„Heute, drei Jahre nach meinem Studienabschluss, sehe ich keinerlei berufliche Perspektiven mehr“ Ein Erfahrungsbericht über Forschungs-Stipendien, versprochene Anstellungen, Teilzeit und Nebenjobs, Leiharbeit, sowie die Erfahrung mit der Pharmabranche und vieles mehr.

Ich habe Biologie mit Studienzweig Genetik studiert und habe an einer großen Klinik meine Diplom- und anschließend auch noch meine Doktorarbeit verfasst. Im Rahmen meiner Doktorarbeit verbrachte ich einen zweimonatigen Forschungsaufenthalt an einem renommierten Forschungsinstitut in München.

Ich hatte Glück und konnte im Frühjahr 2005 – noch während meines Studiums – an das Forschungsinstitut in München zurückkehren, um dort zu arbeiten. Man hatte mir eine Anstellung bis Jahresende mit 2000 Euro brutto versprochen, da jedoch für mich offiziell keine Stelle frei war, legte man mir nahe, mich nach einem Forschungs-Stipendium umzusehen, da ansonsten für mich nach Jahresende keine Bezahlung geschweige denn eine Anstellung mehr möglich sein würde.
Aus diesem Grund schrieb ich wie eine Verrückte Stipendiums-Anträge, die jedoch allesamt abgelehnt wurden. Was, wie ich später feststellen musste, wenig verwunderlich war, sind die Bewilligungsquoten bei derartigen Stipendien in der Regel gering. Aus der versprochenen Anstellung wurde zudem auch nichts, stattdessen erhielt ich einen Werkvertrag über 800 Euro monatlich, was in einer Stadt wie München nicht gerade viel Geld ist. Im Oktober 2005 schloss ich mein Studium mit ausgezeichnetem Erfolg ab; an meiner beruflichen Situation am Forschungsinstitut änderte sich dadurch natürlich nichts und auch meine Versuche, anderswo einen richtigen Job zu finden, waren nicht erfolgreich.

Im März 2006 kehrte ich frustriert an die Klinik, an der ich meine Diplom- und Doktorarbeit verfasst hatte, zurück und suchte dort um ein Forschungsstipendium an. Das wurde zwar bewilligt, fiel aber mit 726 Euro pro Monat nicht gerade hoch aus. Natürlich war ich auch diesmal nicht angestellt und musste somit von dem Stipendium auch noch meine Krankenversicherung bezahlen, auf eine Pensions- und Arbeitslosenversicherung musste ich gleich ganz verzichten. Leben konnte ich von dem Stipendium auch nur deshalb, weil ich von der Klinik ein günstiges, aber winziges Personalzimmer zur Verfügung gestellt bekommen hatte. Das Stipendium war für ein Jahr bewilligt worden und ich wollte dieses eine Jahr nutzen, um mich anderweitig nach einem Job umzusehen.
Natürlich blieb meine Jobsuche auch diesmal ohne Erfolg. Also blieb mir eigentlich nur, nochmals um ein Stipendium anzusuchen, um auch weiterhin eine Bezahlung an der Klinik zu haben, diesmal allerdings mit eher zweifelhaften Erfolgsaussichten und wiederum würde das Stipendium eher niedrig ausfallen. Leider verfiel ich angesichts der Ungewissheit, ob ich nochmals ein Stipendium erhalten würde, in Panik und beschloss, mir einen Teilzeit- bzw. Nebenjob zu suchen, um im Falle einer Nichtbewilligung des Stipendiums halbwegs finanziell abgesichert zu sein, aber auch einer sozialen Absicherung im Falle von Arbeitslosigkeit endlich etwas näher zu kommen.

Zunächst arbeitete ich in Teilzeit als Zimmermädchen in einem Hotel, fand mich jedoch als einzige Österreicherin in einer Gruppe von Frauen aus dem ehemaligen Jugoslawien wieder und wurde nach einem Monat – wohl weil die Damen wieder unter sich sein wollten – hochkant rausgeschmissen.
Anschließend landete ich als ungelernte Hilfskraft bei einer Leihfirma, arbeitete nun in Vollzeit, verdiente wegen ständiger Stehzeiten jedoch nur wenig. Gleichzeitig brach ich, frustriert über die fehlenden beruflichen Perspektiven an der Klinik bzw. als Biologin generell, den Kontakt zu meiner Arbeitsgruppe an der Klinik ab und sah schlussendlich auch davon ab, nochmals um ein Stipendium anzusuchen.

Im Sommer 2007 kam ich mit Hilfe des AMS in den Genuss einer Bewerbungsberatung sowie eines speziellen Bewerbungstrainings für Akademiker (allerdings erst nachdem meine Mutter interveniert hatte, denn von sich aus hatte das AMS keinerlei Anstalten gemacht, mir in irgendeiner Weise weiterzuhelfen). Ich optimierte meine Bewerbungsunterlagen, trainierte das richtige Verhalten beim Vorstellungsgespräch und konnte zudem wieder davon überzeugt werden, dass es doch Sinn macht, weiterhin eine Stelle in meinem Fachbereich als Biologin anzustreben.
Prompt fand ich auch eine Arbeitsstelle in einem Pharmabetrieb im angrenzenden Bayern und erhielt endlich einen regulären Arbeitsvertrag als Biologin. Meine Freude über den neuen Job war jedoch nur von kurzer Dauer. Gleich in der ersten Arbeitswoche schleppte man mich auf eine Messe nach Italien, wo die Firma einen Messestand hatte und ich wurde – zu meiner großen Überraschung – als neue Leitung der Qualitätssicherung präsentiert. Zurück von der Messe hatte ich meine Aufgabe offenbar erfüllt, das „Gerücht“, ich sei die neue Leitung der Qualitätssicherung, wurde dementiert, im Weiteren wurde ich weder eingelernt noch hatte man Arbeit für mich und so saß ich Tag für Tag in der Firma meine Zeit ab so lange bis ich kurz vor Ende der Probezeit wieder gekündigt wurde.

Mit der Hoffnung, nun mit ersten „Berufserfahrungen“ in der Pharmabranche bessere Chancen auf eine Arbeitsstelle zu haben, begab ich mich also erneut auf Jobsuche. Die Ernüchterung folgte jedoch bald, denn auch diesmal kamen auf meine Bewerbungen hin nur Absagen. Nach gut zwei Monaten Arbeitslosigkeit, wobei ich nach wie vor keinerlei Anspruch auf Arbeitslosengeld hatte, stattdessen von meinem Ersparten lebte, bewarb ich mich wieder einmal bei verschiedenen Leihfirmen und konnte auch sehr bald über eine der Leihfirmen im technischen Bereich als Sachbearbeiterin anfangen.
Aufgrund der Wirtschaftskrise habe ich diesen Job nach einem halben Jahr wieder verloren und bin nun, Dezember 2008, erneut arbeitslos. Und ich habe Angst, wegen der Wirtschaftskrise in nächster Zeit auch über Leihfirmen keinen Job mehr zu finden. Gott sei Dank habe ich mittlerweile Anspruch auf Arbeitslosengeld …

Stefanie, 29 Jahre, Biologin

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